Wie Bilddokumente aus dem 16. Jahrhundert zeigen, betrieb der Schlossherr auf Schloss
Seefeld-Kadolz bereits im späten Mittelalter Weinbau. Der Hofkeller, der heute noch zum
Ausbau und zur Lagerung verwendet wird, stammt aus dem Jahr 1640.
Über die Jahrhunderte war der Weinbau ein wichtiger Eckpfeiler der Herrschaft. Aber vor
allem mit der Übernahme des Weingutes durch Maximilian Hardegg im Jahr 1991 kam
neuer Schwung ins traditionsreiche Schlossweingut.Es wurden die Weinproduktion auf 41 Hektar Rebflächen verstärkt auf die Qualitätsproduktion umgestellt und auch neue Rebsorten ausgepflanzt – Pinot Noir,Viognier, Syrah.
Neben dem Engagement in die Weingärten wurde auch in die Kellertechnik investiert. In
den Jahren 2000/2001 wurde ein neues Kellergebäude errichtet. Kern der Anlage ist die
Traubenverarbeitung, die sich auf drei Ebenen abspielt. Trauben, Maische bzw. Most
müssen nun nicht mehr gepumpt werden, und alle Möglichkeiten der Traubenverarbeitung,
wie Ganztraubenpressung, Rebeln oder Mazeration können je nach den Gegebenheiten der
verschiedenen Jahrgänge durchgeführt werden.
Die Weingärten befinden sich im Umkreis von etwa acht Kilometern rund um das
Schlossweingut. Die 41 Hektar verteilen sich auf fünf Parzellen. Bei den Böden handelt es
sich hauptsächlich um kalkhaltige Sedimentations- und Rohgesteinsböden (Ried
Steinbügel) mit hohem Sandnateil. Die Niederschlagsmenge beträgt im Jahresschnitt 400 –
450 mm, was für eine Weinrebe eine Untergrenze darstellt. Daher gilt besonderes
Augenmerk der Bodenverbesserung und dem Humusaufbau.
Im Schlossweingut Graf Hardegg werden hauptsächlich klassische Traubensorten wie
Grüner Veltliner, Riesling, Zweigelt aber auch Pinot Noir kultiviert. Zusätzlich arbeiten
Maximilan Hardegg und sein Team mit Sorten und Praktiken, welche in anderen Regionen
bestens bekannt sind, was beim lokalen Branchenestablishment öfters Kopfschütteln
hervorgerufen hat und dem Weingut das Prädikat „bunter Vogel“ eingetragen hat.
So wurde 1994 ein fortifizierter Wein nach dem Vorbild eines Vintage-Ports hergestellt und
1995 wurden erstmals die französischen Sorten Syrah und Viognier ausgepflanzt.
Dazu Maximilian Hardegg: „ Ausreißer nach oben in der Qualität sind ganz wichtig und
müssen zugelassen werden. Ohne Pionierleistungen kann das nördliche Weinviertel nicht
zeigen, was es kann.“
Die Weinqualitäten zum Grundprinzip erhoben
Die Weingartenarbeit wird durch das Ziel bestimmt, Gewächse zu erzeugen, die in ihrem
Charakter einzigartig sind und von den Vorteilen des nördlichen und kühlen Anbaugebietes
profitieren. Insofern steht nicht übermäßige Reife im Vordergrund, vielmehr soll die
Frische der Frucht erhalten bleiben, um so Weine entstehen zu lassen, die in erster Linie
durch Balance und Harmonie Trinkspaß bereiten.
Im Keller steht die Erzeugung von eleganten Weinen im Vordergrund, die mit viel
Charakter ihre Herkunft und das Terroir zeigen. Folglich kommen Reinzuchthefen nur
ausnahmsweise zum Einsatz. Enzyme oder technischen Methoden zur Anreicherung
werden grundsätzlich vermieden. Das bedeutet oft Methoden einzusetzen, die fast
altertümlich anmuten und für die wenig Technik benötigt wird. Konsequenter Weise gehen
bei dieser traditionellen Ausbauart immer mehr Weine (auch weiße) wieder ins große
Holzfass.
Die Rebsorte prägt das Geschmacksbild des Weines bestimmend. Über den Boden erhält
die Weinrebe die Nährstoffe, die sie zur Reifung der Trauben braucht. Das Klima der
Region schließlich hat maßgebliche Bedeutung für all diese Vorgänge. Diese
"Dreiecksbeziehung", als "terroir" bezeichnet, beeinflusst den Wein grundlegend und macht
ihn einzigartig. Ziel der Kellerwirtschaft ist es, diese "Terroir-Noten" zu erhalten und zu
fördern.
Maximilian Hardegg: „Unser großes Ziel ist, dass Weingenießer die Eleganz, Feinheit, und
Finesse unserer Weine schätzen lernen und erkennen, wie wunderbar sich damit ein Abend
oder eine Veranstaltung gestalten lässt.“
Biodynamische Bewirtschaftung
Seit 2006 werden die Weingärten des Schloßweingutes biodynamisch bewirtschaftet. Damit
werden die Bodenqualitäten laufend verbessert sowie die Widerstandskraft der Reben bei
gleichzeitiger Förderung der Biodiversität.
In den Weinbergen wachsen nun Wildkräuter und Leguminosen, wie Klee, welche
Stickstoff in der Luft sammeln und die Reben so auf natürliche Weise versorgen.
Gleichzeitig wird damit eine vielfältige Mikrofauna erreicht, die eine ausgezeichnete
Mineralisation bewirkt.
Ziel dieser Begrünungseinsaat ist die Erosionskontrolle, der Humusaufbau, die Förderung
der Biodiversität sowie die vermehrte Wasserspeicherung und Verbesserung der
Bodenstruktur; ferner zur Qualitätssteigerung der Frucht durch natürliche
Ertragsbeschränkung und zur Vorbeugung gegen Befall der Reben durch bodenbürtige
Pilze.
Um den Boden so wenig wie möglich zu belasten und unkontrollierte Nährststoffschübe zu
verhindern und Humus aufzubauen, wird vermehrt mit leichteren Geräten seicht gearbeitet.
Auch ein Quad für die Teeausbringung kommt zum Einsatz.
Um auch auf die Nützlinge zurückgreifen zu können bei der Schädlingsbekämpfung,
werden gezielt Raubmilben und Marienkäfer gefördert. Die Widerstandsfähigkeit der Rebe
wird vielfältig gestärkt durch Humusaufbau mittels selbst hergestelltem Kompost aus
tierartgerechter Viehhaltung sowie dem Einsatz von biodynamischen und homöopathischen
Präparaten (500 und 501) und Tees (Brennnessel, Kamille und Ackerschachtelhalm,
bereitet mit Regenwasser).
Maximilian Hardegg: „Unser Ziel ist es, über Hebung der Bodenqualität ein optimales
Gleichgewicht zwischen generativem (Trauben) und vegetativem (Blatt) Wachstum im
Weinstock zu erreichen. Die Qualität des Lesegutes und die Individualität unserer Weine
machen uns viel Mut, den eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen.“